Connect with us

Meinung

Kaufhaus Österreich – Flop des Jahres 2020

Avatar

Published

on

Mit dem „Kaufhaus Österreich“ sollte der während des Corona-„Lockdowns“ brachliegende Handel unterstützt werden. Doch die Umsetzung ist lässt zu wünschen übrig.

Kommentar von Marcel E. Senfter

Durch den verhängten Lockdown und die damit verbundene Schließung des gesamten Handels fällt das Weihnachtsgeschäft für unsere heimischen Händler total ins Wasser und Onlinegiganten, wie zum Beispiel Amazon und Zalando, reiben sich währenddessen die Hände. Die türkis-grüne Bundesregierung in Person von Wirtschaftsministerin Margarethe Schramböck und WKO-Obmann und Ex-Wirtschaftsminister Harald Mahrer wollten diesem Trend entgegensteuern und stellten eine österreichische Variante von Amazon auf die Beine mit dem wohlklingenden Namen „Kaufhaus Österreich“.

Panne statt Hoffnungsbringer

Was eigentlich als Hoffnungsschimmer für österreichische Produzenten startete, endete als große Panne, worüber sogar außerhalb der österreichischen Grenzen gelacht wird. Kurz die wichtigsten Infos: Betreiber dieser Website sind das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und die Wirtschaftskammer Österreich. Programmiert wurde die Seite vom staatlichen Bundesrechnungszentrum für pfiffige 627.000 Euro. Seit Montag ist sie online und wird seit Mittwoch durch eine landesweite Werbekampagne beworben.

Die öffentlichen Betreiber bezeichnen das Kaufhaus Österreich als „Basisinfrastruktur für Online Shops“, welche das Ziel haben E-Commerce in Österreich zu stärken. Wirtschaftsministerin Schramböck erhofft sich dadurch, dass die Bevölkerung somit auf Bestellungen bei den internationalen Größen verzichtet und gleichzeitig die regionalen Betriebe stärkt.

Schlechte Umsetzung

Der Plan an sich ist nicht schlecht, aber es haperte stark an der Umsetzung dieser „Wunderwaffe“. Wer beispielsweise seine Tennis-Ausrüstung bestellen will, landet zuerst auf der Seite eines Tischtennis-Shops und gleich danach bei einem Händler, welcher Ausrüstung für Polo und Cricket anbietet. Es wird außerdem eine Kategorie „Sport- und Freizeitartikel“ angeboten. Dahinter verbirgt sich ein Sammelsurium von Geschäften, die von Alpakas über Delikatessen bis Strickbedarf ein breites Spektrum abdecken. Wer „Staubsauger“ sucht, wird auf die Kategorie „Bauen, Garten und Haushalt verwiesen, welche vom Kosmetik-Strukturvertrieb über Grillsysteme bis zum Goldfischbedarf reicht.

Die Konsumenten können nicht nach Produkten, sondern nur nach wenig intuitiven Kategorien suchen und dabei bleibt ihnen im Wesentlichen nur eine Anwendung: Bei Eingabe des Namens eines bereits bekannten Händlers wird ein passender Link angeboten – sofern sich der Händler vorher registriert hat. Doch das Fazit ist vernichtend.

Lokale Plattform „My Product“

Viele fragen sich nun zurecht, ob wir das „Kaufhaus Österreich“ überhaupt brauchen. Zahlreiche heimische Initiativen haben bereits regionale Marktplätze auf die Beine gestellt, lange bevor es das „Wunderkaufhaus“ gab – Marktplätze wie zum Beispiel die lokale Plattform „My Product“. Diese Plattform startete vor über zehn Jahren als Studentenprojekt in Wieselburg und wurde anfangs von den Gründern selbst finanziert. Mittlerweile besuchen täglich 5.000 Menschen die Seite und über 600 Produzenten vermarkten ihre Produkte und verkaufen sie. Der Kundenandrang ist so enorm, dass die Lagerkapazitäten monatlich verdoppelt werden müssen – derzeit sucht das Unternehmen Mitarbeiter, um das Weihnachtsgeschäft bewältigen zu können.

Wichtiger „Sidefact“: Das Unternehmen ist zu 100% nachhaltig. Vergleicht man nun die Kosten von „My Product“ mit dem „Kaufhaus Österreich“, so bleibt einem schon mal die Luft weg. Laut Angaben des Gründers wurde in „My Product“ in den letzten zehn Jahren ca. 500.000 Euro investiert. Wir erinnern uns an die 670.000 Euro der Seite des Ministeriums – Webdesigner Frank Geertsma vom Unternehmen Webhikers hält diese Kosten laut Standard-Bericht für absurd. Laut seinen Angaben würde eine solche Website bei ihm zwischen 50.000 und 100.000 Euro kosten.

Der weitere Weg des „Kaufhaus Österreich“ steht in den Sternen, was jedoch jetzt schon feststeht, ist, dass hier viel Geld für ein Projekt verbrannt wurde, das einem Abschlussprojekt einer Mittelschulklasse ähnelt. Dieses Geld wäre definitiv woanders besser investiert gewesen. Aber schon Finanzminister Blümel meinte: „Koste es, was es wolle“. Was dann folgte, war wenig bis gar keine und zu späte finanzielle Unterstützung für Unternehmer, die Abschaffung der „Hacklerregelung“ und nun diese vollkommen überteuerte und nicht ernst zu nehmende Website. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.


Über den Autor:
Marcel E. Senfter wurde 1999 in Osttirol geboren und lebt seit knapp zwei Jahren im schönen Zillertal. Er ist Mitglied der Freiheitlichen Jugend (FJ).

Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Beliebt