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Meinung

Die Kirche unterwirft sich vorauseilend den Migranten

Julian Schernthaner

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In Baden-Württemberg hat die evangelische Kirche in einem Buch Benimmregeln für Deutsche im Umgang mit Asylwerbern herausgebracht. Es ist nicht die erste, und wohl auch nicht die letzte Geste der Unterwerfung seitens christlicher Amtskirchen.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Als wäre Integration nicht die Bringschuld der Migranten, sondern die alleinige Aufgabe angestammter Deutscher, erweist sich die evangelische Kirche wieder einmal als Speerspitze des Mantras des neuen Menschen im Multikulti-Paradies. Die Württembergische Arbeitsgemeinschaft für Weltmission (WAW) hat ein Werk publiziert, das sich „zwischen Fluchtursachenbekämpfung und Willkommenskultur“ verortet und den Gemeinden allerlei Verhaltenstipps im Umgang mit Migranten bereithält.

Inklusions-Knigge statt assimilatorische Bringschuld

Ab sofort geboten: dem Gegenüber nicht mehr direkt zu widersprechen, sondern indirekt. Alles andere könne nämlich als Affront gegen das – bekannt hochtrabende – Ehrverständnis mancher Kulturkreise gelten. Personen des anderen Geschlechts solle dabei idealerweise die Hand nicht gegeben werden – ein dezenter Hinweis, dass die Worte „Migrant“ und „fundamentalistischer Muslim“ offenbar nicht nur in den Gedanken bösrechter Hetzer, sondern auch weltoffener Kirchengänger, Schnittmengen kennen.

Aus dem Grund des Respekts vor deren Kultur und/oder Religion gelte es freilich auch, seine Vierbeiner zuhause zu lassen. Immerhin gelten in vielen islamischen Ländern Hunde als unreine Tiere – ganz im Gegensatz zu unseren Gefilden, in denen man sie als des Menschen besten Freund ansieht. Aber dem nicht genug: in ihrem Fachbeitrag betont die WAW-Vorsitzende mit einer Mitautorin gemeinsam die wichtige Rolle der „Flüchtlingsarbeit“ für die Kirchengemeinden.

Ein Abendmahl der Unterwürfigkeit

Hier sollten, so die Ansicht der beiden Frauen, die „Kirchen und Gemeinden [… ] vor dem Hintergrund dieser wachsenden globalen Herausforderungen gemeinsam reflektieren, welchen Beitrag sie leisten können, damit Geflüchtete Heimat und Hoffnung finden“. Jetzt will man niemandem Worte in den Mund legen, die dort nicht stehen, aber: Berücksichtigt man den Tenor des Werkes, kommt man nicht umhin, sich vorzustellen, wie die beiden Damen in vorauseilendem Gehorsam in der Burka ins Asylheim gehen.

Insgesamt, so das unterwürfige Pamphlet, seien Flucht und Migration „ein sehr vielschichtiges Problem“. Es brauche umfassende Lösungen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Christen müssten „eine stärkere Rolle spielen und ihrer Verantwortung gerecht werden, mitten in unserer globalisierten Welt“. Bei der Lektüre dieser Floskeln, die genauso gut vom letzten Grünen-Parteitag stammen könnten, fällt es mir schwer, sich vorzustellen, dass es sich um die gleiche Kirche handelt, deren Begründer noch in der Reichsacht widerständig blieb, weil er „nicht anders konnte“.

Falsch verstandenes Kirchen-Asyl

Man könnte ja meinen, es handle sich um einen einmaligen Ausrutscher, denn niemand ist eine Insel innerhalb des ad nauseam gepredigten globalen Dorfes. Aber weit gefehlt: Denn die Kirchen rittern mittlerweile selbst um die größte Pro-Asyl-Agenda. Die evangelische Kirche beteiligt sich sogar selbst an der angeblichen Seenotrettung, eine Mittelmeer-Mission steht unter ihrer Schirmherrschaft. Die guten Hirten holen sich also die Schäfchen selbst ins Weideland und stellen dann Benimmregeln für die schon länger hier weidenden auf, damit die Neuankömmlinge auch sicher munter grasen mögen.

Ich weiß, dass manch katholischer Leser jetzt den Kopf schüttelt, ist bei den Protestanten doch schon länger alles ein bisserl linker und ein bisserl liberaler. Es gibt mancherorts lesbische Priesterinnen und in zumindest einer Großstadt einen waschechten Antifa-Pfarrer. Aber auch katholische Geistliche, bis zu den Bischöfen und zum Papst, betätigen sich nicht als Stütze für die Bewahrenden, sondern predigen den Zeitgeist, als wären sie nur Firmenseelsorger eines multinationalen Konzerns, der sich um neues Humankapital für seine Fabriken kümmern möchte.

Bischöfe wollen kein christliches Abendland

So stieß sich etwa der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx – der Name ist Programm – einst beinhart am Begriff des „christlichen Abendlandes“. Dieser grenze nämlich Andersgläubige aus und schade dem friedlichen Zusammenleben verschiedener Religionen „mit jeweils eigenen Wahrheitsansprüchen“ in Europa. Es ist übrigens keine 60 Jahre her, da hätte so mancher Traditionalist für diese Aussagen schon Brennholz gestapelt und sich die Wiederkehr der Inquisition gewünscht.

Heute widerspricht hingegen schon der Gedanke, es könnte so etwas wie einen ethnischen Volksbegriff – die Bibel ist übrigens voll davon – geben, angeblich „christlichen Werten“. Es amtieren in Amtskirchen Kräfte, die alles drehen und wenden, wie sie wollen, Hauptsache es entspricht dem, was die Hegemonie vorgibt. Das Private ist längst politisch – und davon ist der höchstpersönliche Glauben keine Ausnahme. So rechnen Bischöfe gar nicht mehr mit Widerstand, wenn sie 50.000 Euro aus Kirchenmitteln an eine umstrittene Mittelmeer-NGO spenden.

Boden für konservative Christen wird dünn

Sogar als bekennender Heide füllt es mich mit Wehmut, ansehen zu müssen, wie nach Rückbesinnung strebenden Christen vom eigenen Klerus der Boden unter den Füßen entzogen wird. Wie linksliberale Kräfte binnen zweier Generationen aus vor Leitkultur strotzenden Bollwerken Europas eine Runde der Feiglinge gemacht haben, die lieber den eigenen Katechismus dem Feuer preisgeben würden als irgendeine Form von Verantwortung für das geistige, geistliche und kulturelle Erbe unserer Heimat zu empfinden, entbehrt jeder Fassbarkeit.

Dort bücken sich heute Pfaffen und Kirchenlaien wie Häftlinge nach Seifenblöcken, die noch niemand fallen ließ, im naiven Glauben, man gefalle damit dem Gefängniswärter. Für eingekerkerte Konservative bietet sich hingegen maximal die Hoffnung, jener möge von solchen Turnübungen lange genug abgelenkt sein, damit sie sich den Schlüssel zur Erkenntnis da draußen schnappen können. Ob sie diese in innerer Emigration beim stillen Gebet zuhause, bei anderen christlichen Angeboten oder in den europäischen Naturreligionen finden, ist einerlei. Aber eines ist klar: Die Amtskirche hat wohl fertig.

Das Buch:
Detlef Blöcher, Andreas Kümmerle (Hg.): Ich ein Fremder gewesen. Mission zwischen Fluchtursachenbekämpfung und Willkommenskultur. 208 Seiten, 14,95 Euro. Evangelischer Verlag Stuttgart 2020.


Weiterlesen:

„Hetzkampagne“: Kritik an Anti-AfD-Plakaten katholicher Verbände (19.08.2020)

Evangelische Kirche will Schiff zur „Seenotrettung“ ins Mittelmeer schicken (12.09.2019)

Kardinal Marx kritisiert Begriff „christliches Abendland“ (12.01.2019)

Nächster Bischof spendet 50.000 Euro an umstrittene NGO „Lifeline“ (18.10.2018)

2 Comments

2 Comments

  1. Avatar

    Alex

    25. August 2020 at 21:49

    Wie heisst dieses Buch, das im Artikel beschrieben wird? Wäre sehr interessant zu wissen was da alles drinnen steht.

    • Julian Schernthaner

      Julian Schernthaner

      26. August 2020 at 8:13

      Das Buch heißt „Ich bin ein Fremder gewesen“, der Untertitel ist „Mission zwischen Fluchtursachenbekämpfung und Willkommenskultur“.

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