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Österreich

FPÖ empört: „Kommunistischer Angriff auf Grazer Stadtgeschichte“

Stefan Juritz

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Die Renovierungsarbeiten am Schloßberg entwickeln sich zu einem Streit um den richtigen Umgang mit der Grazer Stadtgeschichte. 

Graz. – Im Zuge der Arbeiten am neuen Schloßbergmuseum werden auch Gebäude auf dem Schloßberg renoviert. Die KPÖ will diesen Moment für eine „Entnazifierung“ des Schloßbergs nutzen. Man sollte nun genau überlegen, was renoviert und was besser entfernt werden sollte, fordert KPÖ-Gemeinderätin Christine Braunersreuther. Konkret stößt sich die Kommunistin etwa an der Steiermark-Reliefkarte, die sich an der Kanonenbastei befindet und auf der die Steiermark in ihrer Ausbreitung zur NS-Zeit abgebildet sei. Die heutigen slowenischen Gebiete seien darauf „unkontextualisiert und undatiert“ als Untersteiermark verzeichnet und die Ortsnamen in deutscher Schreibweise angegeben. „Die absolut nicht mehr zeitgemäße Darstellung der Steiermark auf der Reliefkarte am Schloßbergmuseum soll entfernt oder zeitlich und politisch kontextualisiert werden“, verlangt Braunersreuther.

KPÖ-Politikerin will Urnengrab exhumieren

Ein Problem hat die KPÖ-Gemeinderätin aber auch mit dem Denkmal für den steirischen Mundartdichter Hans Kloepfer. Dieser sei nicht einfach nur ein Heimatdichter, sondern auch ein „aktiver Unterstützer des Nationalsozialismus“ gewesen, meint Braunersreuther. Dennoch erfahre Kloepfer eine „deutlich sichtbare Ehrung“ durch eine Büste am Schloßberg. In Absprache mit der Urenkelin des Dichters, der Künstlerin Lotte Lyon, fordert die KPÖ eine „kritische Kontextualisierung“ der Büste. „Das bestehende Denkmal ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Nationalsozialismus nach wie vor nicht komplett aufgearbeitet ist. Daran muss hier mit Aufklärungsarbeit oder eventuell künstlerischem Statement gearbeitet werden“, so Braunersreuther.

Kritik übt die Kommunistin zudem am Urnengrab des Grazer Ehrenbürgers Rudolf Hans Bartsch, das in die Mauer der Stallbastei eingelassen ist. Bedeckt wird das Grab von einer Gedenktafel mit einem Spruch von Josef Friedrich Perkonig. Beide Schriftsteller seien aktive Unterstützer des Nationalsozialismus gewesen. Bartsch solle daher durch ein Ehrengrab „nicht mehr gewürdigt“ werden. Braunersreuther schlägt deshalb vor, die Urne von Bartsch zu exhumieren und in einem normalen Urnengrab am Grazer Zentralfriedhof beizusetzen. Die Gedenktafel soll wiederum an das GrazMuseum gehen oder vernichtet werden.

Sippel: „Denkmäler sind das Abbild unserer Geschichte“

Keinerlei Verständnis für die vorgeschlagene Exhumierung zeigt hingegen FPÖ-Klubobmann Armin Sippel. „In einer historischen Debatte offen die Exhumierung der Urne eines Grazer Ehrenbürgers zu fordern und darüber hinaus die dazugehörige Gedenktafel vernichten zu wollen, ist dann doch eine bisher nicht gekannte Dimension“, kritisiert der studierte Historiker gegenüber der Tagesstimme.

Die „Störung der Totenruhe“ des Schriftstellers Bartsch, die  „Demontage“ der Steiermark-Reliefkarte und die „Entwürdigung“ des Kloepfer-Denkmals seien als „direkte, ideologisch motivierte Angriffe“ auf die Stadtgeschichte zu werten und daher abzulehnen, betont die FPÖ Graz in einer Presseaussendung. Es sei selbstredend, dass sich an einem für die Stadtgeschichte so bedeutenden Ort auch historische Denkmäler, Reliefs, Karten und Büsten befinden. Für Sippel ist der Schloßberg deshalb als „großes Museum und Geschichtsbuch“ zu verstehen. Es sei erstaunlich, dass die Museologin Braunersreuther dies nicht wahrhaben wolle.

In diesem Zusammenhang erinnert der FPÖ-Gemeinderat auch daran, dass in der Vergangenheit vor allem totalitäre Systeme die eigene Geschichte verfälscht hätten, indem sie ihren jeweiligen Führerfiguren Plätze und Straßen umwidmeten. Die Freiheitlichen wollen hingegen, dass der Schloßberg den Grazern weiterhin seine Vergangenheit unverfälscht erzählen könne. „Denkmäler sind das Abbild unserer Geschichte. Um aus der Vergangenheit lernen zu können, muss eine objektive Darstellung historischer Personen und Ereignisse möglich sein. Das ist gelebter Bildungsauftrag“, erklärt Sippel.


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