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Gesellschaft

Türkische Community reagiert auf Ausschreitungen in Wien-Favoriten

Stefan Juritz

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Die Eskalationen zwischen türkischen Nationalisten und kurdischen Kommunisten erhitzen seit Tagen die Gemüter. Auch die türkische Community meldete sich zu Wort und verurteilte die Gewalt.

Wien. – Seit Mittwoch ist es in Wien-Favoriten täglich zu Auseinandersetzungen zwischen nationalistischen Türken und kommunistischen Kurden gekommen. Mehrmals versuchten Erdogan-Anhänger und Mitglieder der türkischen „Grauen Wölfe“ gemeinsame Demonstrationen von Kurden und linksextremen Antifa-Gruppen anzugreifen. Die Situation eskalierte an den ersten beiden Abenden vor allem rund um das linksautonome Ernst-Kirchweger-Haus (EKH), in dem sich unter anderem auch Migrantenvereine und Antifa-Organisationen befinden. Die kurdische Demonstranten hatten sich dort am Mittwoch nach ihrer Veranstaltung verschanzt. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen, wie vornehmlich junge Türken versuchten, das EKH zu stürmen.

In den Folgetagen riefen Kurden-Organisationen und Antifa-Gruppen gemeinsam zu weiteren Demonstrationen auf. Auch hier musste die Polizei laut Presseaussendung immer wieder „Störaktionen“ von türkischen Gruppierungen, aber auch allgemein ein direktes Aufeinandertreffen der Kontrahenten unterbinden. Es gab in den vergangenen vier Tagen zahlreiche Anzeigen, mehrere Festnahmen auf beiden Seiten, verletzte Polizisten und offenbar auch mindestens einen verletzten Teilnehmer der Kurden-Demonstration.

Türkische Kulturgemeinde: „Verurteilten Vorfälle scharf“

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) hatte sich bereits am Freitag von den Ausschreitungen distanziert. In einer Stellungnahme erklärte die Community, man habe mit über 30 türkischen NGO-Vereinen und mehreren Unternehmern in Favoriten gesprochen. Alle seien von der Eskalation verwundert gewesen. „Sie wollen damit nichts zu tun haben und distanzieren sich von diesen inakzeptablen Vorfällen und verurteilen diese scharf“, teilte die TKG auf ihrer Homepage mit.

Die TKG rief weiters das Innenministerium und die Polizei dazu auf, die beiden verfeindeten Gruppen nicht aufeinander zukommen zu lassen und das „Hab und Gut der Menschen“ zu schützen. Außerdem dürfe das Demonstrationrecht nicht unter falschem Vorwand „missbraucht“ werden.

Konflikte aus der Türkei nicht nach Österreich bringen

„“Die Mehrheit der Austrotürken will die Probleme aus der Türkei nicht importiert sehen. Man will im Arbeiterbezirk Menschen gegeneinander aufhetzen und hier kann die türkische Community nur der Verlierer sein“, betonte die Türkische Kulturgemeinde. Diejenigen, die Probleme aus der Türkei nach Österreich bringen wollen, seien hier „nicht willkommen“. „Wir haben in Österreich genug Probleme. Wir wollen unsere Energie für Österreich verwenden und nicht für den Missbrauch aller Werte inkl. Religionen bzw. Menschenrechte.“

Auch der Klein-Unternehmer Baba Kokerec sieht das so. „Ich stamme aus der Türkei und lebe friedlich in Wien. Ich kenne diese Jugendlichen und auch die gegnerischen Vereine nicht. Ich appelliere an die Menschen, die Probleme aus der Türkei bzw. zwischenmenschliche Probleme, nicht hier in Wien auszutragen“, wird er von der TKG zitiert.

Kokerec berichtete zudem davon, dass im Zuge der Auseinandersetzungen die Fenster seines Ladens von einer vermummten „österreichischen Dame“ zerstört worden seien.

SÖZ-Obman Gördü kritisiert PKK-Hintergrund

Davor hatte sich auch schon der Obmann der Migrantenpartei SÖZ, Hakan Gördü, zu den Vorfällen in Wien-Favoriten geäußert. Auf Facebook verurteilte er die Gewalttaten ebenfalls.

Später nannte er in einem Posting aber auch weitere Hintergründe des Konflikts und übte auch Kritik an der kurdischen Seite. „Eine Demo bei der die Fahnen der YPJ zu sehen sind, ist keine Frauendemo, sondern die Demo der bewaffneten Frauenmiliz der PYD/YPG und somit der PKK. Man kann sich gesamtheitlich noch so dumm stellen aber niemand kann hier abstreiten, dass hier der syrische Arm einer Terrororganisation mitten in Favoriten die Gesellschaft provoziert“, erklärte Gördü.

Da in Favoriten die meisten Türken wohnen, sei es eine „bewusste Provokation“, ausgerechnet hier mit den Abzeichen und Fahnen eines PKK-Ablegers zu demonstrieren. „Demos für bewaffnete Truppen aus sonst einem Land müssen ausnahmslos in Österreich verboten werden. Unabhängig davon wie oft sie das Logo verändern oder kaschieren. Dies führt unweigerlich zu Spannungen in der Gesellschaft und hat auch absolut keinen Platz in Wien sowie in Österreich“, betonte der SÖZ-Obmann.


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1 Comment

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  1. Avatar

    Florian

    29. Juni 2020 at 11:01

    Junge Türken versuchen, das Ernst-Kirchweger- Haus zu stürmen?
    Nun: „Refugees welcome!“ sag ich da, stelle mich hin und klatsche. Vielleicht werfe ich den armen, traumatisierten auch ein Teddybärchen zu.
    Polizei brauch ma da garnicht. Das martialische Auftreten der Unifomierten würde diese armen Menschen doch nur noch weiter traumatisieren. Und die „Bewohner“ des EKH, die sollen mal solidarisch sein und teilen.

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