Connect with us

Österreich

Coronavirus: Regierung setzt drastische Maßnahmen

Julian Schernthaner

Published

on

Nachdem die türkis-grüne Regierung bislang von scharfen Maßnahmen absah, tritt nun mit sofortiger Wirkung ein drastischer Katalog in Kraft, um das Coronavirus in den Griff zu bekommen. 

Wien. – So stellen etwa laut ORF die Universitäten und Fachhochschulen ihren Lehrbetrieb spätestens Anfang kommender Woche ein, Studenten müssen ihre Lehrveranstaltungen über Fernlehre bestreiten. Pflichtschulen könnten in den kommenden Tagen noch folgen. Italienische Staatsbürger – das betrifft demnach auch deutschsprachige Südtiroler – dürfen ab sofort nicht mehr nach Österreich einreisen. Und auch Großveranstaltungen werden beeinträchtigt sein.

Keine Hallen-Veranstaltungen über 100 Personen

Bei letzterer Maßnahme übertrifft die heimische Regelung sogar die Schritte, welche bislang in Frankreich, Deutschland und der Schweiz galten. Dort hatten die jeweiligen Regierungen jeweils Veranstaltungen mit über 1.000 Personen untersagt. In Österreich dürfen Events im Freien mit maximal 500 Leuten stattfinden, in der Halle sind es überhaupt nur 100. Dies betrifft vor allem Sport-Veranstaltungen aber auch etwa einzelne Messen und Konzerte.

Besonders bitter dürfte der nunmehrige Bann den Fußballklub LASK aus Linz treffen. Dessen Stadion war für das Europa League-Achtelfinale gegen Manchester United längst ausverkauft, nun wird es ein Geisterspiel. Die Bundesliga geht einen anderen Weg und suspendiert – wie in Italien – den Spielbetrieb vorerst, man will nicht vor leeren Rängen spielen. Auch die Viertelfinal-Spiele der EBEL-Eishockey-Liga am heutigen Dienstag finden nicht statt.

Empfehlung der Einschränkung sozialer Kontakte

Die Regierung um Bundeskanzler Kurz gab außerdem Empfehlungen ab, welche Dinge der Einzelne tun kann, um die Verbreitung der Krankheit einzudämmen. Man rät, soziale Kontakte so weit als möglich zu vermeiden. Die Verbreitung soll außerdem verzögert werden, damit der Höhepunkt nicht mit jenem der Grippewelle zusammen trifft. Hoffnung schöpft die Regierung aus den Zahlen in China, welches mit rigorosen Maßnahmen mittlerweile einen Rückgang der Neuinfektionen vermeldet.

Öffis fahren weiter – Appell an Unternehmen

Keine Einschränkungen gibt es vorerst im öffentlichen Verkehr – diese Einschränkung hätte hunderttausende Pendler in ganz Österreich hart getroffen. Dennoch empfiehlt Kurz den Menschen, wenigstens Ausflüge mit diesen ausfallen zu lassen. An die Wirtschaft appelliert er, dass diese Mitarbeitern, sofern möglich, ermöglicht von zuhause zu arbeiten. In anderen Unternehmen könnte Kurzarbeit schlagend werden, hier stockt die öffentliche Hand teilweise bei den Zahlungen auf.

Dass das nicht das Ende der Maßnahmen sein muss, stellten sowohl Kurz als auch der grüne Gesundheitsminister Rudi Anschober heraus. Beide wollten am Dienstag keine Maßnahme völlig ausschließen. Im benachbarten Italien – mittlerweile bei Infektionen weltweit auf dem zweiten Platz – gilt das gesamte Land als Sperrzone. Die Einschnitte gehen so weit, dass sogar das verfassungsmäßige Versammlungsrechte derzeit einschränkt ist.


Weiterlesen:

Coronavirus-Sorge bringt schwarzen Tag an den Börsen (10.3.2020)

Coronavirus: Strafen für Verlassen von Sperrzonen (9.3.2020)

4 Comments

4 Comments

  1. Avatar

    Toni Meloni

    10. März 2020 at 17:49

    Warum haben Schulen noch geöffnet?

    Sind ja auch mehr oder weniger Veranstaltungen mit über 100 Personen!

    • Julian Schernthaner

      Julian Schernthaner

      11. März 2020 at 8:19

      Nun, das ist halt irgendwo ein gewisses logistisches Problem. Für jeden Schüler, der nicht in die Schule gehen darf, brauchst du einen Elternteil, der nicht in die Arbeit gehen kann – oder hast erst wieder das Problem einer auswärtigen Betreuung. Ist dasselbe wie mit den Öffis, da kommen auch oft dutzende und hunderte zsamm, aber gibt genug Leute in ländlichen Gebieten, die vllt. kein Auto haben und dann ebenfalls nicht in die Arbeit kommen. 😉

    • Avatar

      Henriette

      11. März 2020 at 13:46

      Kinder sind viel weniger betroffen als Ältere, Krankheitsverlauf viel milder, besseres Immunsystem etc.

  2. Avatar

    Gotthelm Fugge

    12. März 2020 at 15:49

    Zwei Lesermeinungen zur Bundespressekonferenz von WeLT-Online, die das ganze Dilemma trefflich charakterisieren: / Merkel / Corona-Virus / 20200312.
    Die sollten Sie wissen.

    (1) Also ich fasse mal Merkels Worte zusammen:
    Man muss das Notwendige tun.
    Die Grenzen bleiben aber offen und man muss ein Herz für andere haben.
    Die Krankenkassen darf man nicht überlasten.
    Stattdessen guckt man sich eine Sekunde länger in die Augen und lächelt.
    Methode Merkel.
    In 2015: „Jetzt sind sie halt da!“
    In 2020: „Jetzt ist es halt da!“
    Merkwürdigerweise:
    Immer, wenn die Kanzlerin sagt, sie kümmere sich, dann klingt es meist wie eine Drohung und ihre unausgegorenen Aktionen kommen uns immer teuer zu stehen.

    Grotesk.

    (2) Sie hätte folgendes sagen können:
    Wir handeln jetzt.
    Wir schauen nach Italien und wissen, daß wir nur eine Woche dahinter sind.
    Wir schauen, wo die großen Cluster in Deutschland sind, NRW, BW, Bayern.
    Dort bauen wir innerhalb der nächsten Woche schon Lazarette auf, bringen Ärzte aus anderen Bundesländern hin, Krankenschwestern, und die Bundeswehr und das THW.
    Wenn es dann in den Clustern in ca 7-10 Tagen explodiert wie jetzt in Norditalien, dann sind wir gerüstet.
    Wir haben 1000 extra Beatmungsgeräte bestellt und vorsorglich in die Cluster-Krankenhäuser gebracht.
    Wir kontrollieren ab heute jeden Einreisenden am Flughafen, egal wo er herkommt, mit dort aufgestellten Kameras.
    Wir schließen die Grenzen von Bahn und Autobahn zu Italien und Frankreich.
    Wir bitten jeden Bürger, 2x täglich die Temperatur zu messen und in eine App einzugeben, wie in Singapur.
    Dadurch können wir neue Cluster frühzeitig identifizieren.
    Ich habe bei Qiagen Hunderte von Testmaschinen und Millionen von PCR Tests geordert, damit werden wir die Bürger unseres Landes komplett durchtesten.
    Ich bitte alle Bürger darum, wenn es geht zuhause oder im Homeoffice zu bleiben und jeglichen unnötigen Reisen und Kontakte zu unterlassen.
    Lassen Sie uns die Pandemie gemeinsam eindämmen.

    DAS wäre eine Rede von Merkel oder Spahn gewesen.
    Aber sowas findet nur hier in den Foren statt.
    Die Verantwortlichen sind leider die Inkarnation von Inkompetenz, Nichthandeln und Verantwortungslosigkeit.
    Sie werden sich hoffentlich nach der Krise für Hunderte oder sogar Tausende Tote zu verantworten haben und die Verantwortung nicht auf „das Virus“ schieben können. “
    60-70 Prozent werden eben durchseucht.
    Jetzt ist es eben da.
    Wir machen das mit Maß und Mitte.“
    Nein. So nicht.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Beliebt