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Kultur

Publizist Günter Zehm ist verstorben

Stefan Juritz

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Günter Zehm war ein bedeutender konservativer Philosoph, Journalist und Publizist. Seine seit 1975 erschienene „Pankraz“-Kolumne erreichte Kultstatus.

Bonn. – Am Freitagmorgen ist Günter Zehm im Alter von 86 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Dies berichtet die Junge Freiheit. Größere Bekanntheit erlangte Zehm mit seiner „Pankraz“-Wochenkolumne, die zuerst in der Die Welt, später im Rheinischen Merkur und schließlich ab Januar 1995 in der Jungen Freiheit erschienen war.

Ernst-Bloch-Schüler und DDR-Dissident

Günter Zehm war 1933 in Crimmitschau (Sachsen) geboren. Er studierte ab 1950 zuerst Publizistik, danach Philosophie bei Ernst Bloch. In der DDR wurde er 1957 wegen seiner Kritik an der SED und der Forderung nach Meinungsfreiheit zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Haftentlassung floh er 1961 in den Westen und setzte dort sein Studium in Frankfurt/Main bei Theodor W. Adorno und Carlo Schmid fort. Seine Doktorarbeit schrieb er über Jean-Paul Sartre. Nach dem Mauerfall lehrte Zehm ab den frühen 1990er-Jahren als Honorarprofessor an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

„Pankraz“-Kolumne

Neben der Philosophie war Zehm aber auch als Journalist tätig. Ab 1963 arbeitete er bei der Tageszeitung Die Welt als Feuilleton-Redakteur und wurde dort später stellvertretender Chefredakteur. Seit 1975 erschien seine Kolumne „Pankraz“, die Zehm dann nach dem Ausscheiden bei der Welt im Jahr 1989 beim Rheinischen Merkur fortführte. Nachdem dort im Jahr 1994 ein Text von Zehm aus politischen Gründen nicht veröffentlicht worden war, erschien die „Pankraz“-Kolumne fortan – und bis zum Schluss – jede Woche in der Jungen Freiheit.

Philosoph und Journalist

Zehm war Philosoph und Journalist. Zu dieser Kombination sagte er in einem Interview mit der Neuen Ordnung (2017): „Was verbindet Philosophie und Journalismus miteinander? Die Journalisten sind, würde ich antworten, Spezialisten des Konkreten, dessen also, was tagtäglich passiert und erzählt und bekakelt werden will; die Philosophen sind Spezialisten des Allgemeinen, die fragen, was eventuell hinter den Dingen steht und einen normativen, ‚gesetzmäßigen‘ Einfluss auf sie ausübt.“ Beide Berufe, so Zehm, bräuchten einander, und es sei ein „Glücksfall“, wenn ein Philosoph auch ein guter Journalist ist (beispielsweise Aristoteles oder Konfuzius) und „die tagtägliche Lebenspraxis überzeugend und sprachkräftig mit der Hinterwelt des Warum und Wozu verbinden kann“. Bei den heutigen Journalisten sei jedoch ein „beträchtlicher Niveauabfall“ festzustellen. „Immer mehr Journalisten wollen gar keine gelassenen Berichterstatter mehr sein, sondern ausdrücklich ‚Kämpfer'“, betonte Zehm.

Zeit seines Lebens zeichnete ihn sein wacher und offener Geist aus, der ihn vom linken Bloch-Schüler schließlich zum Konservativen werden ließ. Gerade deshalb war er dem medialen und politischen „Mainstream“ zu unbequem und wurde von seinen Gegnern oftmals angefeindet. Doch Zehms widerständige Haltung veranlasste ihn immer wieder zum Widerspruch und zur klaren Positionierung. So war es in der DDR nach dem Ungarn-Aufstand 1956 und so war es auch später in der Bundesrepublik.

Zahlreiche Bücher

Die meisten seiner Bücher erschienen beim Verlag Antaios oder der Edition JF. Dazu zählen u.a.: „Eros und Logos. Eine Geschichte der antiken Philosophie“ (2004), „Der Leib und die Seele. Von den vielen Wurzeln der menschlichen Vernunft“ (2004), (2005), „Maske und Mimesis. Eine kleine Philosophie der Medien“ (2007), „War Platonin Asien? – Adnoten zur Globalisierung des Geistes“ (2008), „Gesunder Menschenverstand. Über Glücklichsein, Spaßhaben und Standhalten“ (2009), „Mutter Erde, Vater Gott. Vom Ursprung des Lebens und seinen Gestalten“ (2010), „An der Kehre. Über die Krisen des Kapitalismus, des Westens und der Demokratie“ (2012).

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