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Meinung

Arielle, Bond & Co.: Zunehmendes ‚Blackwashing‘ im Kino

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Kommende Kinofilme werden mit schwarzen Hauptdarstellern besetzt in Geschichten, deren Protagonisten eigentlich weiß sind. Die ‚Progressiven‘ jubeln und die Gesellschaft wird auf Multikulti als Norm vorbereitet.

Kommentar von Martina Huber

Man muss kein besonderer Cineast sein, um folgende Situation zu kennen: ‚Progressive‘, welche sich beschweren, dass Charaktere, welche nach Drehbuchvorlage eigentlich schwarz oder asiatisch sind, mit weißen Schauspielern besetzt werden. Die Empörung kehrt selbst dann ein, wenn schwarze Personen für Fotos aufgehellt werden. Die Rede war dann immer von einem „Whitewashing“. Man könnte also annehmen, diesen Menschen ist die Authentizität wichtig: Dass Charaktere die vom Erfinder vorgesehene Hautfarbe tragen. Das heißt – man konnte es annehmen.

Die kleine Meerjungfrau als afroamerikanische Prinzessin

Denn nun machte die Runde, dass die Hauptrolle der neuen Disney-Realverfilmung von Arielle an Halle Bailey, eine schwarze Schauspielerin geht. Arielle, das ist übrigens jene Meerjungfrau, deren optisches ‚Markenzeichen‘ bislang ihre helle Haut und roten Haare waren, ist nun also schwarz. Es ist davon auszugehen, dass das infolgedessen wohl auch Triton, ihren Vater und König der Meere, zum Dunkelhäutigen macht.

Disney macht also aus Arielle einen afroamerikanischen Film statt sich vom Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ des dänischen Schriftstellers Hans-Christian Andersen inspirieren zu lassen. Angesichts dessen, dass es ja auch über Rothaarige allerhand Vorurteile gäbe, würde man nun meinen, dieselben ‚Progressiven‘ würden nun aufschreien. Das Gegenteil ist allerdings der Fall: Sie begrüßen die Besetzung, man freut sich über die schwarze Arielle.

Die Rechtfertigung ist flexibel

Plötzlich ist es also doch nicht so wichtig, dass ein Charakter diejenige Hautfarbe hat, welche ihm seine Schöpfer andachten – das Dänemark des 19. Jahrhunderts war ein ziemlich hellhäutiger Ort und Paul Gauguin malte sie schon 1889 rothaarig. Und auch Edvard Eriksen dachte Bronze als Materialwahl für seine berühmte Statue wohl kaum als farbliche Anleitung.

Diese Erkenntnis gilt doppelt vor dem Hintergrund, dass bereits frühe Interpretationen des Stoffes eine latent autobiographische Projizierung des käseweißen Andersen erkannten – ein wiederkehrendes Motiv seiner Märchen. Und dennoch werden alle Personen, welche die nunmehrige Besetzung kritisieren, als Rassisten verunglimpft. Immer so, wie man es gerade braucht.

Schwarze Frau als Bond-Ersatz

Arielle ist nicht der einzige jüngste Fall. Denn bis jetzt galt die Aussage „da kann man auch James Bond mit einer schwarzen Frau besetzen“ ungefähr in der Kategorie eines Sonnenaufgangs im Westen. Nun wird der nächste 007 eine schwarze Frau. Und die Reaktionen sind dieselben wie bei Arielle. Dasselbe galt bereits zuvor bei einem schwarzen Beowulf und einem schwarzen Heimdall.

Hier sammeln sich jene, welche das Bewährte verteidigen, dort jene, welche das Festhalten daran für Rassismus halten. Hinzu kommen noch – wie einst bei Dr. Who – Leute, die sich jetzt allein über die Tatsache beschweren, dass James Bond nun von einer Frau dargestellt wird. Also ganz schon viel, an dem man sich reiben kann.

Die Heuchelei der „Blackwashing“-Beklatscher

Dabei ist es die Rollenverteilung in der Empörung, welche besonders entlarvend wirkt. Denn, wer sogenanntes „Whitewashing“ bemängelt, aber den umgekehrten Fall bejubelt. zeigt worum es geht: Es geht ihnen nicht um authentische Identifikationsfiguren für Menschen aus allen möglichen Kulturen – gerade junge Europäer und weiße Amerikaner hätten diese auch bitter nötig. Es geht ihnen auch nicht darum, dass die Hautfarbe egal wäre.

Es geht ihnen einzig um die Förderung von schwarzen Figuren im Film. Wie der Charakter angedacht war ist egal – Hauptsache die Figur ist schwarz. Als Argument wird genutzt, was gerade eben passt, um das Ziel durchzusetzen. Und das hat – neben der offensichtlichen Heuchelei – auch eine soziologische Dimension.

Vorbereitung auf Multikulti-Zukunft

So suggerieren Film und Werbung schon längst, der Anteil der Schwarzen an der Bevölkerung sei um einiges höher als es den Tatsachen entspricht. Gleichzeitig ist die symbolische Umfärbung ausgerechnet der zentralen Protagonisten eine Kampfansage: Die Zukunft ist ‚bunt‘ – an jeder Ecke könnten wir ihnen begegnen, den abertausenden Identifikationsfiguren mit Migrationshintergrund, der ‚edle Wilde‘ war gestern.

In Wirklichkeit führen solche Darstellungen natürlich nicht zur gesellschaftlichen Emanzipation der so beförderten Gruppen. Sie sollen einzig eine wie eine Monstranz umher getragene Multikulti-Gesellschaft darstellen, welche in diesem Ausmaß bislang nicht und in dieser Harmonie noch nie existierte. Wenn sich die ethnischen Mehrheitsverhältnisse dem dargestellten Bild annähern, so wohl das Kalkül, gibt es weniger Widerstand.

3 Comments

3 Comments

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    Rainer Seifert

    16. Juli 2019 at 18:13

    Muss man sich nun etwa Sorgen machen, dass Leute wie Til Schweiger arbeitslos werden? Vor allem sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass außer einer obligatorischen Schwarzenquote Frauen in jedem Film mindestens so zahlreich verteten sind wie Männer. Kriegs- speziell U-Boot- und Piratenfilme müssen dann halt neue Drehbücher bekommen. Nichts ist mehr festbetoniert bis in alle Ewigkeit.

    Warum waren die Jünger Jesu eigentlich alle männlich und wie sah das bei den 12 Aposteln aus? Ist ja alles total frauenfeindlich. Wenn da mal nicht die AfD die Finger im Spiel hatte.

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    Zickenschulze

    18. Juli 2019 at 1:21

    Bin gerade unterwegs.
    Notiere das Blackwashing auch an den Fassaden anderer Länder.
    Also steht ein globaumspannende Medienlandschaft dahinter.
    Wie ma sieht, eine geballte Kraft.
    Jeder kann sich den Reim selbst dazu geben.

  3. Avatar

    Krall

    29. Dezember 2019 at 22:19

    Großartiger Artikel!

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