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Der Balkan wird wieder durchlässig, die Ankünfte steigen

Monika Šimić

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Während es im Jahr 2017 etwa 750 neue Ankünfte von Migranten in Bosnien und Herzegowina gab, waren es im Jahr 2018 bereits 24.000, bestätigt UNHCR-Sprecher Neven Crvenković.

Bihać. – Vor einigen Tagen veröffentlichte die Plattform Addendum ihre aktuelle Recherche zur Balkanroute und hält fest: „Der Balkan wird wieder durchlässig“. Zahlen aus dem Inneren der Taskforce Migration des österreichischen Innenministeriums zeigen, dass sich Ende Mai/Anfang Juni geschätzte 80.000 Personen zwischen dem Bosporus und Spielfeld entlang der Balkanroute befanden. Die Behörden registrierten an einigen Stationen entlang des Weges deutliche Anstiege im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Reise über Landweg wieder attraktiv

So gab es zwischen Griechenland und Mazedonien einen Anstieg von 155 Prozent, im Schlüsselland Bosnien ein Plus von 76 Prozent und plus 31 Prozent in Kroatien. „Nachdem Italien die Überfahrten über das Mittelmeer fast auf null senken konnte, ist die Reise über den Landweg des Balkans, die von Migranten, Politikern, von den Behörden und von der Bevölkerung der Region als Game bezeichnet wird, wieder attraktiv geworden“, heißt es in der Addendum-Recherche. Die Route, die Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz einst für geschlossen erklärt hatte, werde wieder durchlässig.

Migranten verlieren Geduld

Das erklärte Ziel der Migranten: Österreich, Deutschland oder Schweden. Zwischen dem 1. April 2016 und dem 31. Mai 2019 gab es 116.537 irreguläre Ankünfte in Griechenland aus der Türkei. Der Druck an der Grenze werde jetzt im Sommer 2019 stärker und stärker. Bereits vor einigen Wochen warnte Gerald Tatzgern, Brigardier im Innenministerium, vor einer Wiederholung der Zustände von 2015/16 (Die Tagesstimme berichtete). Die Migranten, die sich derzeit entlang der Balkanroute aufhalten, würden „langsam die Geduld verlieren und weitergehen wollen“, so Tatzgern.

Organisationen bestätigen Anstieg

Dass die Wege über die Balkanländer zusehends durchlässiger werden, beobachtet auch das Flüchtlingshochkommissariat der UNO (UNHCR). Neven Crvenković, Sprecher der Organisation, nannte hierzu auch Zahlen. So gab es im Jahr 2017 etwa 750 neue Ankünfte von Migranten in Bosnien und Herzegowina, im Jahr 2018 waren es bereits 24.000 Ankünfte. Die UNHCR, die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das österreichische Innenministerium bestätigen, dass die Zahl der Migranten steigt.

Stimmung in Bosnien kippt

Aktuell kippt auch die Stimmung im Land Bosnien. Anfangs zeigte sich die Bevölkerung hilfsbereit und solidarisch mit den Migranten, es etablierten sich erste internationale Freiwilligenorganisationen. Die Willkommenskultur hielt aber nicht lange. Die Beziehung zwischen Hilfsorganisationen, Behörden, Einheimischen, Migranten und internationalen Organisationen ist heute äußerst angespannt. Besonders in Städten wie Bihać, einer Stadt nahe der kroatischen Grenze, wo sich die Zahlen konzentrieren, sieht die Bevölkerung die Migranten besonders kritisch. Dort hätten die Bewohner „einfach Angst vor dieser großen Anzahl von Migranten“.

Aktuell halten sich im Kanton Una Sana, in dem sich die Stadt Bihać befindet, 6.300 Migranten auf. Die Lage scheint ernst zu sein, Revierkämpfe und Schlägereien gehören mittlerweile zum Alltag. Und während die Öffentlichkeit über Italiens Maßnahmen zur Eindämmung der gefährlichen Überfahrten am Mittelmeer sprach, entwickelten sich die beiden Grenzstädte zu Slowenien, Triest und Görz, zu neuen Drehschreiben für Migranten.

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