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Kultur

Helnwein legt nach: „Heimat ist für Menschen wichtig“

Julian Schernthaner

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Nur wenige Tage nach aufsehenerregenden Äußerungen zum Zustand der zeitgenössischen Linken profiliert sich der bekannte österreichische Künstler Gottfried Helnwein mit Erkenntnissen zum Heimatbegriff.

Wien. – Helnwein gilt als Multitalent in der Kunst – Malerei, Fotografie, Aktionskunst, Bühnenbilder: Was auch immer der seit Jahren in Irland lebende Wiener anfässt, gelingt. Er versteht sich zwar als klassischer Linker in der Tradition der 1968er-Bewegung – hält aber, wie aus einem StandardInterview hervorgeht, auch das Konzept der Heimatverbundenheit hoch.

Globalisierung bedingt „Auflösung des Heimatbegriffs“

Gerade in der „heutigen Globalisierung“ bemerke er eine „Auflösung des Heimatbegriffes“. Er kritisiert gegenüber dem linksliberalen Blatt auch, dass dieser schnell „so etwas Rechtsradikales“ mitbekäme. In Wirklichkeit aber, so Helnwein, sei „Heimat für Menschen wichtig“ – und zwar „losgelöst von jeder Ideologie“.

Dabei sei auch die Einbindung in eine kulturelle Tradition von Bedeutung. Und zwar „in eine Kultur, die über viele Generationen in Jahrtausenden entstanden ist und in den verschiedensten Formen überall auf der Welt existiert.“ Dies merke er insbesondere, wenn er sich etwa in den USA aufhalte. Auch das sein ein „faszinierendes Land […] mit einer durchaus eigenständigen Kultur“ – er fühle sich dann aber verstärkt als Europäer.

Kritik an EU nicht „antieuropäisch“

Ebenso bemerkenswert moniert er allerdings im Anschluss, dass „Europa mehr und mehr mit der EU gleichgesetzt“ würde. Jede Kritik an diesem Konstrukt gelte schnell als „antieuropäisch“, es würde so getan, „als hätte die EU Europa erfunden und deren allfälliges Ende den Niedergang Europas bedeuten würde.

Wenn er Europa sage, meine er „die kulturellen und geistigen Werte einer gemeinsamen jahrtausendalten Geschichte“. Diese würde die Menschen zutiefst prägen und verbinden – und nicht ein „Konstrukt aus Schuldnern und Bankern, wie Vranitzky die EU einmal genannt hat.“

Helnwein:“Kultureller Höhepunkt der Menschheit in Europa“

Seiner Ansicht nach hätte sogar der „kulturelle Höhepunkt der Menschheit […] in Europa stattgefunden“. Damit meint er gerade die Zeitspanne zwischen der Gotik und dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese zeichne sich durch „eine Explosion an Kreativität wie niemals zuvor irgendwo auf der Welt“ aus“. Diese Bewertung seinerseits gelte insbesondere für die Baukunst, Musik, Malerei, Literatur und Philosophie. Dort finde sich „das große Wunder der Menschheitsgeschichte“.

Globalisierung bedroht Vielfältigkeit der Kulturen

Dass dies nun durch ein „völlig neues Zeitalter“, und zwar ein digitales „zugrunde geht“, verbindet Helnwein „mit Wehmut“. Diese Epoche schaffen Techologien, welche „alles vernetzen, überwachen und kontrollierbar machen“. Damit würden sie erst den Nährboden schaffen für die „sogenannte Globalisierung“.

Deren Folgen sind nach Ansicht des Künstlers schwerwiegend. Die Globalisierung könnte „möglicherweise alle ästhetischen und geistigen Werte nivellieren“. Damit entstehe die Gefahr, dass die „Vielfältigkeit, Widersprüchlichkeit und Eigenständigkeit verschiedener Kulturen“ vor einer Auslöschung stünde.

Kritik an „existenzieller Krise“ der Linken

Bereits wenige Tage zuvor hatte der unbotmäßige Künstler gegenüber dem Kurier ausgiebige Kritik am linken Spektrum geäußert. Dieses stecke seiner Ansicht nach in einer „existentiellen Krise“, da der Kapitalismus einen „endgültigen und totalen Sieg errungen” habe. Dabei habe sich ein „Kartell der Milliardäre […] in einem beispiellosen propagandistischen Coup” die Linke „unter den Nagel gerissen”.

Die Einordnungen „rechts“ und „links“ seien auch deshalb „völlig aufgeweicht und bedeutungslos“. Die „neue Pseudo-Linke“ setze sich dabei insbesondere für politische Korrektheit ein, die Begriffe ‚Nazi‘ und ‚Rassist‘ hätten eine „totale Inflation“ erfahren. Heutzutage würden diese „jedem um die Ohren fliegen“, der sich nicht „an das Diktat der selbst ernannten Moralisten“ halte – Die Tagesstimme berichtete.


Weiterlesen:

Helnwein: „Die gesamte Linke steckt in einer existenziellen Krise” (2.6.2019)

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