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Meinung

Kolumne: Patrioten müssen sich Umweltthema von Linken zurückholen

Julian Schernthaner

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Wer heute über Umweltschutz nachdenkt, hält es für ein genuin linkes Thema. In Wirklichkeit stammt dieses aber ursprünglich aus konservativ-patriotischem Schoß – und es wäre allmählich an der Zeit, es sich zurückzuholen.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Geht es Ihnen auch langsam auf die Nerven, dass jeden Freitag klimahysterische, schulschwänzende Dreikäsehochs an Ihrem Büro vorbeilaufen? Die sich anschließend in schwerlich klimaneutralen Schnellkostrestaurants vollstopfen? Denen milliardenschwere Prominente zujubeln, die mit ihren Fluggesellschaften und Jachten wöchentlich größere ökologischen Fußabdrücke hinterlassen als der durchschnittliche Dieselfahrer in zehn Jahren?

Umweltschutz ist kein linkes Thema

Dann sind Sie nicht allein. Weite Teile des konservativen Lagers werden ähnlich argumentieren. Immerhin läuft dies auch immer vor dem Hintergrund der Grünpartei. Das ist diese einwanderungsfreundliche Verbotspartei, deren Forderungen des Leibhaftigen sind. Umweltschutz ist eine Kernforderung linker Parteien – und somit unbedingt schlecht.

Einzig: Das alles ist unwahr. Tatsächlich handelte es sich bei der Umweltfrage einst um ein ureigenes, konservatives Thema. Große patriotische Denker wie Ludwig Klages, Ernst Jünger oder Martin Heidegger beschäftigten sich mit dieser Frage. Zu diesem Zeitpunkt hing die Linke noch an einem irrationalen Fortschrittsgedanken, koste es, was es wolle.

Traditionell konservativer Stempel in Österreich

Wir erinnern uns: In Österreich war es 1978 der Impuls einer konservativ-patriotischen Opposition welche die Atompläne eines sozialistischen Bundeskanzlers per Volksabstimmung zu Fall brachte. Gallionsfigur war der zutiefst konservative Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz.

Noch einige Jahre später diente er als Namensgeber eines Volksbegehrens gegen einen Kraftwerksbau in der Hainburger Au. Unter den sieben Verkleideten der damit verbundenen Pressekonferenz der Tiere fanden sich zwei Politiker der Volkspartei sowie einer der Freiheitlichen. Ein beteiligter roter Publizist gehörte ebenfalls kaum zum linken Parteiflügel.

Linke übernahmen allmählich Diskurshoheit

Als Teilresultat dieser bürgerlich-rechten Elemente finden sich heute ökologische Versatzstücke bei allen österreichischen Parteien. Als weiteres Nebenprodukt gab es in der Alpenrepublik auch ursprünglich zwei Grünparteien: eine realpolitisch ausgerichtete, eher bürgerliche – und eine alternative, eher linksradikale mit einer Vision.

Erst allmählich schafften es alternative, linksgerichtete Träumer innerhalb der Umweltbewegung, bürgerliche Vertreter und konservative Bauern aus ihrem Kreis zu verdrängen. In Deutschland passierte dies viel früher. Dass es überhaupt geschehen konnte, lag an der Klammerung an Maximalforderungen. Dadurch blieben sie für den Nachwuchs en vogue – und schafften sich einen Alleinvertretungsanspruch.

Grüne schufen sich Deutungsmonopol

Junge Menschen sind oftmals idealistisch und rebellisch, wollen verändern. Konkrete politische Umsetzbarkeit ist ihnen zweitrangig. Auch auf diese Art und Weise konnte sich die FPÖ etwa als langjährige Monopolpartei beim Migrationsthema ein unterschöpfliches Reservoir an Jungwählern sichern. Dasselbe droht sich – diesmal europaweit – bei den Grünen zu Umweltfragen zu wiederholen.

Denn ein Vierteljahrhundert später haben sie bereits ein Deutungsmonopol zu den meisten Umweltthemen. In Deutschland ist dies umso ausgeprägter. Sie können sich selbst dann noch als ‚Ökofighter‘ inszenieren, wenn sie in Regierungsverantwortung die Abholzung von Urwäldern mittragen. Sie geben diesem Thema auch ständig ihren eigenen globalen Spin mit – obwohl Europa keinesfalls als ‚Klimasünder No. 1‘ gelten kann.

Patrioten sollen Zerstörung der Heimat nicht bejubeln

Durch den weitestgehenden Rückzug aller namhaften konservativen Elemente, können sie dann mit ihrem allumfassenden Anspruch Problem, Analyse und vermeintliche Lösung liefern. Das Muster wiederholt sich alle paar Jahre – und steht unwidersprochen. Und wer deren oftmals unrealistischen Ansätzen hinterfragt, reagiert vorschnell mit Fundamentalopposition.

Der Konservative, dem die unversehrte Natur der Heimat das Heiligste sein müsste, verteidigt plötzlich die Interesse riesiger Industriekonzerne. Dabei mündet die Zerstörung von Naturräumen stets in der Zerstörung von Kulturräumen. Stattdessen plakatiert man „kein Diesel ist illegal“, würde Demonstranten gegen Waldabholzungen lieber aus dem Baum schießen.

Linker Lebensstil ist unökologisch

Dabei wäre es einfach, die Widersprüche der heutigen Diskursführer zu entlarven. Die im grünen Politmix mitschwimmende Massenzuwanderung taugt kaum als ressourcenschonende Maßnahme. Und spätestens bei der Alltagsökologie ist es bei vielen Grünwählern mit den guten Vorsätzen vorbei – egal ob sie nun den energiepolitisch ‚dreckigen‘ innerstädtischen Altbau oder den zersiedelten Speckgürtel bevölkern.

Denn natürlich vertragen sich Leben und Ansichten großstädtischer Grüner nicht mit Nachhaltigkeit. Als tatsächlicher Mainstream sind sie konsumorientiert und hedonistisch. Ihre Accessoires entsprechen ihrem Selbstverständnis als Weltenbürger. Ihr kosmopolitischer Mobilitätsdrang verträgt sich wenig mit einer Politik der kurzen, gemütlichen Wege. Auch hippe Elektroautos sind in der Herstellung nicht wirklich umweltschonend.

Regionalität und Nachhaltigkeit als Thema der Stunde

Und genau bei der Nachhaltigkeit könnte eine neue Umweltbewegung „von rechts“ einsetzen. Gemüsekauf vom Nachbarsbauern kommt sowieso ohne Plastik und große Transportwege aus. Die Stärkung der örtlichen Metzger verringert die Notwendigkeit von Tiertransporten quer durch Europa. Biologische Landwirtschaft geht ohnehin als wertkonservativer Mensch.

Auch sonst kann man den ländlichen Raum beackern, der vielen urbanen Linken als Hort aller konservativer ‚Gottseibeiuns‘ relativ egal ist. Eine Müllsammelaktion kann die Dorfjugend zusammenschweißen. Die Forderung besserer Öffi-Verbindungen auch abseits der Metropolen verknüpft Nachbarorte schadstoffarm, bindet dadurch stärker an die Gesamtregion.

Jugend an Region und konservatives Lager binden

Auch die Schaffung umweltverträglicher Infrastruktur in der Provinz erzeugt Arbeitsplätze. Die Jugend muss sich nicht zwischen der ‚linksversifften Großstadt‘ und der täglichen Pendlerei dorthin entscheiden. Linksorientierte ‚Quatschwissenschaftler‘ erstehen verlassene Sacherl nicht zum Schleuderpreis. Kurze Wege verhindern eine Abhängigkeit vom Auto – und beschneiden Dieselverboten die Argumentationsgrundlage. Politisch forcierte Fahrgemeinschaften, wo sinnvoll, drehen sie endgültig ab.

Stattdessen schiebt man all diese niederschwelligen Möglichkeiten beiseite. Anstatt sich den Umweltschutz mit eigenen Impulsen auf die Fahnen zu schreiben, echauffiert man sich über entsprechende Vorstöße patriotischer Jugendgruppen. Dabei ist eigentlich offensichtlich: Wer sein ursprüngliches Kernthema vernachlässigt, erlaubt dem politischen Gegner die Diskurshoheit darüber – und vertreibt auch Jugendliche, die ihren Zugang zum Umweltschutz eigentlich aus Heimatliebe schöpfen.

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