Connect with us

Gesellschaft

Wegen Twitter-Scherzes: Rassismusvorwurf gegen Comiczeichner Ruthe

Julian Schernthaner

Published

on

Seit Sonntag gibt es einigen Wirbel rund um einen Tweet des bekannten deutschen Cartoonisten Ralph Ruthe. Einige Nutzer bezichtigten diesen aufgrund eines kurzlebigen Scherzes des Rassismus.

Bielefeld/Berlin. – Die Geschichte begann mit einer Reaktion auf eine Fehde der ursprünglich aus dem Iran stammende Komikerin Enissa Amani gegen die Spiegel-Journalistin Anja Rützel. Letztere hatte sich in einem Artikel auf die Ankündigung von Amani bezogen, dass diese nach Nicaragua auswandern würde, wenn die Presse sie noch einmal als „Komikerin“ – einen „unsexy“ Begriff“ bezeichnen würde.

Schlagabtausch zwischen Komikerin und Journalistin

Nachdem sich Rützel in ihrem bissigen Kommentar gleich fünfmal dieses Begriffs bediente, echauffierte sich Amani auf sozialen Medien. Einige ihrer Sympathisanten ließen sich davon aufscheuchen und beleidigten Rützel teils höchst untergriffig, angeblich etwa als „AfD-Nutte“. Es folgte ein regelrechter Schlagabtausch zwischen beiden Damen auf sozialen Medien.

„NPD-Manier“: 47 Sekunden und ein Rassismusvorwurf

Als sich dann noch der bekannte Bielefelder Comiczeichner Ralph Ruthe in die Debatte einschaltete, erreichte die Empörung eine neue Dimension. Ruthe, der sich selbst eher links positioniert, gleichzeitig aber kaum für politische Korrektheit bekannt ist, teilte einen Link mit billigen Flügen in das mittelamerikanische Land – und bezeichnete Amani ebenfalls als „Komikerin“.

Kurz darauf befürchtete er aber, dass dieser Tweet möglicherweise missverstanden werden könnte, und löschte ihn – nach eigenen Angaben nach nur 47 Sekunden. Aber dieser Zeitraum war genug, dass einer seiner 423.000 Follower einen Screenshot anfertigte. Ein Nutzer teilte diesen und unterstellte Ruthe daraufhin, in „guter, alter NPD-Manier“ Amani einen „guten Heimflug“ gewünscht zu haben.

Ruthe: Amani hat „Beruf verfehlt“

Daraufhin präsentierte Ruthe seine eigene Darstellung der Situation. Er räumte ein, sein Tweet sei „flach, dumm und undurchdacht“ gewesen – allerdings keinesfalls rassistisch. Es gehe nicht darum, wo Amani herkomme. Sondern – in Anspielung auf die Gehässigkeiten gegen Rützel – darum, dass diese offenbar „den Beruf verfehlt“ habe. Einige Leute hätten aber offenbar Lust gehabt, ihn „für einen Rassisten zu halten“.

Appell an Linke gegen Selbstzerfleischung

Er appellierte gerade an links identifizierende Menschen, sich kurz über Personen zu informieren, bevor man gegen jemanden „losballert“. Er positioniere sich etwa pro Seenotrettung und pro Homo-Ehe, was vielen Rechten ein Dorn im Auge seie. Wenn Leute wie hier auf Gleichgesinnte losginge, brächte das „nämlich nur den falschen Leuten was.“

Schelte von links – Solidarität von rechts

Diese Stellungnahme war allerdings nicht allen Personen im linksgerichteten Lager genug. Ein Journalist der Frankfurter Rundschau etwa behauptete, die Entscheidung über Rassismus entstehe immer beim Rezipienten.

Moralische Unterstützung gab es dafür aus einem unerwarteten Lager. Zahlreiche Patrioten teilten die Comics des Zeichenkünstlers und bekundeten ihre Solidarität. So etwa der Leiter der österreichischen Identitären, Martin Sellner. Dieser rückte Ruthe in die Tradition von Wilhelm Busch und plädierte für dessen Meinungsfreiheit.

Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Beliebt