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Gesellschaft

Bundesregierung: „Niemand muss Pfandflaschen sammeln, um zu leben“

Julian Schernthaner

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Die Problematik der Altersarmut in Deutschland wächst weiter. Die Bundesregierung versuchte diesen Befund unlängst in sozialen Medien schönzureden.

Berlin. – Wie ein Autor der Jungen Freiheit am Montagmorgen herausstellte, gehört das Bild „in Großstädten mittlerweile zum Alltag“. Rentner, die im öffentlichen Raum die Mülleimer nach Pfandflaschen durchwühlen, um sich ihre magere Rente aufzubessern. In den Augen der deutschen Bundesregierung handelt es sich dabei allerdings nur um ein vermeintliches Trugbild.

Medial gut dokumentiertes Phänomen

Dass das Phänomen zumindest große Symbolkraft besitzt, lässt sich schwer abstreiten. Einem Artikel der Bild aus dem Februar zufolge würden „viele“ der 550.000 von Altersarmut betroffenen Deutschen auf diese Notfallmaßnahme zurückgreifen. Das Blatt befragte gleich fünf betagte Flaschensammler zu ihren persönlichen Erfahrungen und Beweggründen.

Auch weitere Medien wie Vice oder der Kurier stellten in der Vergangenheit Menschen verschiedener Altersgruppen mit diesem Lebensweg vor. Selbst der staatliche Auslandsrundfunk Deutsche Welle porträtierte vor einigen Jahren einen betroffenen Frührentner. Einzig: Nach jüngster Ansicht des Social-Media-Teams der Bundesregierung gibt es diese offenbar als Massenphänomen gar nicht.

„Niemand muss Pflandflaschen sammeln“

Denn für einen entsprechenden Einwand unter einem Facebook-Video zur Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wonach diese Situation „menschenunwürdig“ sei und der Ansicht des Nutzers zufolge gegen das Grundgesetz verstoße, hatte dieses keinerlei Verständnis für die Schilderungen.

Wörtlich schreiben die Veranwortlichen: „Niemand muß Pfandflaschen sammeln, um zu leben“. Das Lied von „verarmten Rentnern“, welche angeblich „zu Zehntausenden im Müll wühlen“ werde auch „durch fortwährende Wiederholung nicht richtiger“. Dies sei niemals überzeugend gewesen, keiner Generation von Rentnern ging es besser als der heutigen.

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Gepostet von Bundesregierung am Donnerstag, 21. März 2019

„Wer Hilfe braucht, erhält diese“

Zwar sei Altersarmut „für einige Menschen“ tatsächlich eine „Herausforderung. Drei Prozent der Menschen im entsprechenden Alter seien auf Grundsicherung angewiesen. Die Ursachen lägen hier aber eher in „persönlichen Schicksalen und Erwerbsbiografien“.

Die Social-Media-Verantwortlichen der Regierung sind überzeugt: Wer im Land „aus welchen Gründen auch immer“ Unterstützung und Hilfe brauche, erhalte diese. Deshalb gehe es „den allermeisten Menschen […] freilich“ in Deutschland „so gut wie nirgends sonst in Europa“.

Kommentatoren über Darstellung empört

Zahlreiche weitere Kommentatoren reagierten in der Folge empört auf diese Darstellung. Eine Userin etwa bezeichnete dies als „dreiste Behauptung“. Ein einziger Tag an Arbeit in einer Obdachlosenhilfe zeige etwa, dass „viele Deutsche“ Flaschen sammeln müssten. „Arrogant im Elfenbeinturm“ zu sitzen mache jedenfalls „nicht wirklich schlauer“.

1 Comment

1 Comment

  1. Avatar

    Klasube

    26. März 2019 at 11:12

    „In den Augen der deutschen Bundesregierung handelt es sich dabei allerdings nur um ein vermeintliches Trugbild.“
    Diese Aussage braucht eigentlich nicht weiter kommentiert zu werden – sie zeigt einmal mehr, wie abgehoben, realitäts-und bürgerfern unsere Regierungsverantwortlichen sind. Und deshalb wird unsere Regierung nicht mehr lange unsere Regierung sein – und das ist gut so!
    Wie sehr ich es satt habe mir sagen zu lassen, dass mein Bild „nur ein Trugbild“ sei – in jeder Beziehung! Ob es um die Altersarmut, die Ausländerkriminalität, die Verrohung im alltäglichen Leben, die Digitalwüste Deutschland geht – alles nur „ein Trugbild“….!

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